Stellungnahme zu “Spy Files”

Betrifft: Medienberichte über “Spy Files”

Auch wenn wir gerne schon früher dazu Stellung genommen hätten, möchten wir zu
den Veröffentlichungen über Gamma International GmbH ein paar Dinge ergänzen.

Dank der Veröffentlichung des Vertrags auf Wikileaks ist uns dies nun endlich
möglich, da bestehende Geheimhaltungsverpflichtungen nur für Unterlagen gelten,
die nicht ohne unser Zutun bekannt geworden sind.

Wir bestätigen, dass wir im Jahr 2010 eine Vertragsbeziehung mit der Firma
Gamma International GmbH eingegangen sind. Unsere Rolle war dabei die eines
Zulieferers von Netzwerk-Komponenten im Bereich der IT-Sicherheit.

Der Vertrag wurde damals angebahnt von einem unserer Mitarbeiter, der die
Partnerschaft mit Gamma angeregt und betreut hat. In Bezug auf den erwähnten
Infection Proxy bestand unsere Rolle in der Zulieferung einer unterliegenden
Netzwerkkomponente. Diese Komponente wird grundsätzlich für verschiedenste
Anwendungen eingesetzt und wurde entwickelt als Teil der Lösungen, welche wir
bei unseren Kunden zum Schutz gegen Spionage im Bereich der Industrie und
Politik einsetzen.

Wie ja auch die Veröffentlichungen von Herrn Snowden gezeigt haben, findet in
diesem Bereich seit mehreren Jahren ein starkes Wettrüsten statt, bei dem nicht
weniger als die Souveränität ganzer Länder in Frage gestellt wird. Wir
unterstützen daher gerne und seit Jahren unsere Kunden in der ganzen Welt
inklusive Europa, Asien und Lateinamerika darin, sich gegen derartige
Massnahmen der Vereinigten Staaten und anderer Länder zu schützen.

In dem besagten Fall jedoch wurde die Komponente als ein Baustein für den
Gamma Infection Proxy angeboten. Damals hat mein Mitarbeiter mich auf Basis
einer lange gewachsenen Vertrauensbeziehung überzeugen können, dass die
Zulieferung eines generischen Bausteins unproblematisch sei, ähnlich dem
Verkauf einer Netzwerkkarte. Mittlerweile sehe ich das jedoch anders und würde
den Vertrag nicht mehr abschliessen.

Der betreffende Mitarbeiter hat Dreamlab Technologies schon vor einiger Zeit
verlassen und sein eigenes Unternehmen gegründet. Nach meinen Informationen
wurden entsprechende technische und geschäftliche Beziehungen weiter
ausgebaut.

Es ist mir wichtig klarzustellen, dass das Unternehmen Dreamlab zu keinem
Zeitpunkt sogenannte “Staatstrojaner” selber entwickelt hat, noch wird es das
jemals tun. Für mich haben derartige Technologien keine legitime Anwendung im
rechtsstaatliche Bereich. Informationen, die auf diese Art und Weise gewonnen
werden, können niemals Teil einer rechsstaatlichen Beweisführung sein, denn sie
sind nahezu beliebig manipulierbar.

Zudem gefährdet der Einsatz erheblich die Integrität und Sicherheit von IT
Infrastrukturen und bietet somit erhebliches Potential für Sach- und
Geschäftsschäden. Durch die breite Anwendung von Informationstechnologie kann
sogar eine Gefährdung von Menschenleben nicht ausgeschlossen werden. Die
Haftung für derartige Schäden müsste beim einsetzenden Staat liegen, doch
derartige Gesetze gibt es aktuell nicht.

Daher widersprechen derartige Technologien meinem gesellschaftlichen
Verständnis, meiner persönlichen Ideologie, und dem Ziel unseres Unternehmens,
die Sicherheit der Informationstechnologie zu erhöhen. Unsere Rolle sehen wir
in dem Schutz vor derartigen Angriffen, und diese Arbeit machen wir seit
nunmehr zehn Jahren mit grossem Erfolg für unsere Kunden.

Gerne gebe ich interessierten Journalisten auch weitere Auskunft zu dem was
wir wirklich tun und wo unsere Schwerpunkte und Kompetenzen sind.

Mit besten Grüssen,
Nicolas Mayencourt
Dreamlab Technologies, CEO